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Erinnerungen an die Gründungszeit
der Unitas Sugambria
von Bbr. Oberstudienrat L. Freibüter, Münster
Im Anfang des SS 1899 trat ich in den kath. theol. Studentenverein Unitas in Münster ein. Der Verein er war der einzige „Coetus“ der Unitas, der noch Theologen Verein war, alle anderen waren seit der außerordentlichen G.V. in Neuß 1887 in den „Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas“ umgewandelt nannte sich den Satzungen entsprechend „katholisch theologischer Studentenverein Unitas“.
Er zählte 25 Theologen und 25 Nichttheologen als Mitglieder. Nicht nur der Name „Theologenverein“ als vielmehr der Paragraph der Satzung: „In einem Theologenverein muß der „Präses“ (seit der G.V. von 1899 in Münster „Senior“ genannt) ein Theologe sein“ führten zu großen Spannungen zwischen den Theologen und Philologen.
Die Philologen reichten deshalb beim Convent einen Antrag ein für die G.V., die in Münster stattfinden sollte, nach dem der Theologenverein in einen "Wissenschaftlichen katholischen Studentenverein" umgewandelt werden sollte. Präses des SS 1899 war theol. Karl Machens, später Pfarrer in Himmelstür bei Hildesheim, FM theol. Nikolaus Fecker, jetzt Dechant und Pfarrer von St. Johann in Osnabrück. Führer der Philologen waren u.a. phil. Joh. Haunerland, später Professor am Gymnasium in Dorsten, phil. Adolf Kirchhoff (Consenior im SS 99), später Professor in Essen, phil. Josef Heß, später Regierungsdirektor in Koblenz, Führer der deutschen Katholiken in der Zentrumspartei.
Wir Füchse, unter ihnen als Nichttheologen math. Josef Linneborn, später Stadtschulrat in Münster, phil. Harald Heese, später Studienrat in Essen und ich, konnten nicht am BC teilnehmen. Die Nichttheologen holten sich Rat beim AH Oberlehrer Möller in Lingen, später Professor in Hannover. Es folgte ein BC dem andern, zu jedem erschienen die AH AH: Prälat Dr. Franz Hülskamp, der Gründer der Münsterischen Unitas und Begründer des „Coeten Verhältnisses“ der Unitas, die damals ein Gesamt Verein an verschiedenen Hochschulen war, ferner Univ.-Prof. Dr. Josef Maus¬bach und Univ. Prof. Dr. Franz Hitze.
Es ist, wie später festgestellt wurde, auf den Conventen sehr heiß und erregt hergegangen, aber schließlich kam man doch zu einer Einigung. Es findet eine Trennung statt: die Theologen bleiben in der Unitas theologica, die anderen Unitarier gründen einen neuen Coetus, die Unitas Sugambria. An demselben Abend fanden noch die Gründungsconvente in den beiden Sälen bei „Tante Schröder“ statt. Der gemeinsame Beschluß war formuliert und wurde dann auf der Generalversammlung der Unitas in Münster bestätigt. Die Unitas Sugambria wurde gemeinsam mit der Unitas Straßburg und Unitas Marburg als Coetus aufgenommen.
Der persönliche Verkehr zwischen den streitenden Aktiven war und blieb aufrichtig und freundschaftlich, echt unitarisch. Das zeigte sich bei jeder Gelegenheit im Leben der Unitas-Münster, vor allem aber auch im gemeinsamen Auftreten der beiden Coeten in der „Vertretung der Studenten“.
Im WS 1899 begann die Aufbauarbeit in den beiden Coeten; Senior der theologischen Unitas war mein Landsmann und Leibbursch theol. Clemens von den Benken, zuletzt Studienrat am Gymnasium Carolinum in Osnabrück, Senior der Sugambria der oben genannte phil. Josef Heß. Diese beiden, sehr temperamentvoll, geistig und spritzig, hatten bald das Übergewicht in der „Vertretung der Studentenkorporationen“. Es wurde damals nur nach Korporationen abgestimmt.
Damit die katholischen Vereine nicht in die Minderheit gerieten, wurde das Collegium Borromaeum als „Verein der Münsterischen Theologen“ mit Zustimmung des damaligen Bischofs und der Leitung des Collegiums bei der Universität angemeldet. Auf diese Weise war auch die große Zahl der Theologen Münsters in der Studentenschaft vertreten.
Die Anerkennung der Unitas-Sugambria durch die Universität zog sich länger hin. Der Universitätsrichter war mit der eingereichten Satzung nicht einverstanden, besonders mißfiel ihm der Paragraph, der Satzung, nach dem die Unitas ein Gesamtverein an den verschiedenen Universitäten war. Die Satzung stammte vom AH Prälat Dr. Franz Hülskamp.
Es wechselten Schriftsätze zwischen dem Herrn Universitätsrichter, Landgerichtsrat Dr. Nacken, und unseren beiden Vertretern v. d. Benken und Heß. Ein BC folge in dieser Angelegenheit nach dem andern, bis man endlich der Universität eine Vereinssatzung einreichen konnte, die von dem Herrn Universitätsrichter angenommen wurde. Diese „Vereins“satzung und eine passende „Verbands“satzung wurde auf der G.V. in Würzburg im SS 1900 für alle „Unitas Vereine“ genehmigt.
Die Gründung der Unitas Sugambria zeigte sich als äußerst günstiges Ereignis nicht nur für die Unitas, sondern auch für das gesamte katholische Korporationsleben. Bis dahin hatte jeder Verband nur e i n en Verein oder eine Verbindung an einer Hochschule. Jetzt wurde es anders.
Aus der großen Gemeinschaft der „Germania“ entstanden in Münster zwei weitere KV Vereine, „Cimbria“ und „Markomannia“, aus der „Saxonia“ (CV) die „Cheruscia“. Es folgten dann später weitere Teilungen an andern Universitäten.
Die beiden Unitas-Vereine in Münster entwickelten sich sehr gut; die theologische Uni¬tas nahm einige Semester später, als von der Unitas Sugambria die „Unitas Winfridia“ im SS 1903 abgetrennt war, den Namen „Unitas-Frisia“ an. Sie bestand als ein stets blühender Verein, als „Schloßkapelle“, wie AH Univ. Prof. Dr. Mausbach beim 70. Stiftungsfest sagte, am wohlaufgerichteten Schloßbau des UV, als Theologen Verein bis zur Auflösung durch Hitler und Himmler.
Am 20. 7. 1952 wurde sie als W.K.St.V. Unitas Frisia wiederbegründet. In der Unitas Sugambria gab es einige Male Krisen, besonders dann, wenn die Zahl der Mitglieder so groß wurde, daß man zur Teilung schreiten mußte; so war es bei der Gründung der Unitas-Winfridia im WS 1902 und bei der Gründung der Unitas Ruhrania im WS 1911.
Die Unitas Burgundia ging im SS 1904 aus der Unitas Frisia hervor, als in ihr die Zahl der Nichttheologen wieder der Zahl der Theologen gleich geworden war. Die Satzung der Unitas Frisia wurde jetzt so geändert, daß jedes Mitglied, das den Beruf wechselte, austreten und sich einem andern Unitas Verein anschließen mußte.
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