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Joseph Heß
von Bundesbruder Prof. Dr. Herbert Hömig
(aus: Zeitgeschichte in Lebensbildern, Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 3, hrsg. von Jürgen Aretz, Rudolf Morsey und Anton Rauscher, Mainz 1979, S. 162 – 175)
Nach den Reichstagswahlen vom 14. September 1930, bei denen die Nationalsozialisten die Zahl ihrer Mandate von 12 auf 107 steigerten und den Weimarer Parteien eine schwere Niederlage bereiteten, verglich der katholische DNVP Polltiker Martin Spahn in einem Zeitschriftenaufsatz die gewandelte Situation im Reich mit den bisherigen Verhältnissen in Preußen, dem größten deutschen Gliedstaat: „Preußen wurde an diesem 14. September inselhaft aus der politischen Gesamtlage des deutschen Volkes herausgedrängt und abgeschnitten.
Der Ostpreuße Braun hatte sich hier in einer ungefähr zehnjährigen Ministerpräsidentschaft des Rheinländers Heß versichert. Braun wollte herrschen; Heß ging es, nach¬dem seiner Partei, dem Zentrum, die Verwaltung im Rheinland und in Oberschlesien ausgeliefert worden war, wesentlich um die Idee der Demokratie und ihre Bewahrung gegen eine Wiederkehr des alten Preußentums oder auch ein Eindringen der Rechten.“
Die Persönlichkeit dieses preußischen Zentrumspolitikers, der als Nachfolger von Felix Porsch erst seit 1930 das preußische Zentrum offiziell als Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender führte, ist heute trotz intensiver Erforschung der Geschichte der Weimarer Republik noch weithin unbekannt. Heß selbst hat offenbar trotz seiner parlamentarischen Schlüsselstellung wenig persönlichen Ehrgeiz entwickelt und anscheinend nie nach einem Ministeramt im Kabinett Braun oder gar nach dem Posten des preußischen Ministerpräsidenten gestrebt. In der Tat ging Heß – wie es ein anderer rechtsgerichteter Kritiker, Emil Ritter, einmal formuliert hat seinen „Weg nach links unauffälliger als Wirth“. Das jahrelange Bündnis zwischen den Weimarer Parteien, insbesondere die immer wieder erneuerte Option des Zentrums für die Koalition, ist in erheblichem Maße sein persönliches Werk gewesen. Nach seinem Tode am 4. Februar 1932 trat zwischen SPD und Zentrum in Preußen eine zunehmende Entfremdung ein, die schließlich zum Bruch führte.
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