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Die Spannungen zwischen Reichstagszentrum und Landtagszentrum wegen der Koalitionsfrage blieben jedoch auch nach Ratifizierung des Konkordats latent bestehen, bis der Sturz des Kabinetts Müller am 27. März 1930 eine neue Lage hervorrief. Das am nächsten Tag von Hindenburg ernannte Kabinett Brüning blieb auf die Unterstützung durch die SPD im Reichstag angewiesen. Heß, der am 30. Januar 1930 Porsch als Fraktionsvorsitzenden abgelöst hatte, wies jetzt alle kritischen Stimmen gegen den Kurs der Landtagsfraktion mit dem Argument zurück, daß die zu erwartende Opposition der SPD gegen Brüning nur dadurch gedämpft werden könne, daß man diese Partei, die im Reich der politischen Verantwortung überdrüssig schien, in der preußischen Regierung hielt. Brüning war dieser Strategie trotz seines Werbens um die Rechtsparteien nicht völlig abgeneigt. Die Führer der preußischen Sozialdemokraten hatten die ihnen drohende Gefahr erkannt. Hinter den Kulissen wirkten Braun und Heilmann mäßigend auf ihre Genossen im Reichstag ein. Es war jedoch höchst zweifelhaft, ob es möglich sein würde, von Preußen aus auf lange Sicht die Lage im Reich zu beeinflussen.

Heß stellte sich rückhaltlos hinter Brüning; zweifellos nicht nur aus uneigennützigen Beweggründen. Als er am 11. Mit 1930 einstimmig gewählt wurde, beschwor er ähnlich wie auf dem Preußentag von 1927 die guten Dienste des Preußenzentrums für die Reichspolitik. Die Absicht, sich für den Kanzler unentbehrlich zu machen, war dabei unverkennbar. Doch entsprach seine Strategie auch der politischen Situation, die früher oder später eine offene Tolerierungspolitik der SPD gegenüber Brüning erforderlich machte. Die hohen Stimmengewinne der Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 enttäuschten die Hoff¬nung des Kanzlers auf eine bürgerlich konservative Mehrheit im Reichstag. Der neue Kurs der SPD basierte auf einem „begrenzten Bündnis“ zwi¬schen Braun und Brüning und damit letztlich dem Bündnis zwischen Zentrum und SPD in Preußen.

Ende September 1930 bot Brüning Braun und Severing an, unter Beibehaltung ihrer preußischen Ressorts in das Reichskabinett einzutreten, was jedoch an Hindenburgs Widerstand scheiterte. Auch Brauns Angebot im November, das Amt des preußischen Ministerpräsidenten zu überneh¬men, um so die preußischen Wahlen zu umgehen, konnte Brüning nicht annehmen, da Schleicher bei Hindenburg interveniert hatte. Man könnte in diesen Fusionsplänen, die von Papen und Hitler unter anderen Vorzeichen wieder aufgenommen werden sollten, die letzte Konsequenz des von Heß verfolgten Kurses sehen, der frühzeitig die Gefährdung des Weimarer Staates in Rechnung gestellt hatte und auf deren Abwehr angelegt war. Je¬doch war der Vorsitzende der preußischen Zentrumspartei seit Herbst 1931 wegen einer schweren Erkrankung aus der aktiven Politik in Preußen ausgeschaltet. Heß starb am 4. Februar 1932 im Alter von 53 Jahren.

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