Unitas Sugambria Osnabrück
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IV

Heß hatte während der Krise vom Frühjahr 1925 eine wichtige Rolle im Hintergrund gespielt. Die Kandidatur von Marx war wesentlich von ihm gefördert worden. Nach der Wiederwahl Brauns, dem er bedingungslose Unterstützung seines Regierungsprogramms zusagte, bekannte er sich nur noch vage zur „Idee der Großen Koalition“. Zugleich warnte er die Rechtsparteien vor jedem Versuch, das Zentrum aus der Minderheitskoalition herauszubrechen. Brauns „Mehrheit minus 1 plus die Angst der Opposition“, auf der die Stabilität der Regierung nach einem treffenden Wort des Regierungschefs beruhte, wurde von seiten des Zentrums nur soweit garantiert, als die Weimarer Parteien an ihrer grundsätzlichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der DVP festhielten.

Am 21. Mal 1927 erklärte Heß auf dem dritten Preußentag des Zentrums in Berlin, daß dieser Kurs das Ziel verfolgt habe, die „schwierige Lage des Zentrums im Reich durch möglichst konstante Linienführung zu erleichtern“. Das Argument war sicherlich nicht mehr als ein taktisches Auskunftsmittel, das auf die Dauer kaum ausgereicht hätte, den Eigenweg des preußischen Zentrums zu rechtfertigen. Dies gelang erst durch den Abschluß des Konkordats zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhl am 14. Juni 1929.

Die Verhandlungen zwischen dem Kultusministerium. und dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Eugenio Pacelli, waren im Frühjahr 1922 aufgenommen, aber wiederholt unterbrochen worden. Sozialdemokraten und Demokraten hatten bis zuletzt Vereinbarungen mit der Kurie über Schulfragen im Hinblick auf das seit 1919 geplante Reichsschulgesetz abgelehnt. Der Vertrag, der am 9. Juli mit 171 gegen 143 Stimmen vom Landtag angenommen wurde, entsprach gleichermaßen den Interessen des Staates und der Kirche. Er regelte die auf älteren Rechtstiteln, z.T. noch auf dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, beruhenden Staats¬leistungen an die Kirche. Aufgrund des Konkordats wurden im übrigen die Bistümer Berlin und Aachen sowie die Freie Prälatur Schneidemühl neu errichtet. Mochte auch der den Demokraten nahestehende parteilose Kultusminister Carl Heinrich Becker in dem Konkordat vor allem ein Instrument sehen, die kirchenpolitischen Forderungen der Zentrumspartei in gewissen Grenzen zu halten, so ändert dies nichts daran, daß der Vertrag einen geradezu triumphalen Erfolg für die politische Linie des Zentrums im preußischen Landtag bedeutete.

Das Bündnis mit den Sozialdemokraten, die im Gegensatz zu den Kommunisten und den Rechtsparteien für den Vertrag gestimmt hatten, bewährte sich jetzt. Für Heß, der in einer Rede in Remagen am 21. Dezember 1927 einmal bekannt hatte, daß das politische Leben für ihn „erst durch die Republik einen tieferen Sinn“ erhalten hatte, bedeutete das Konkordat nicht zu Unrecht einen Sieg über die alten Widersacher des Katholizismus aus der Kulturkampfzeit.

Bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs am 9. Juli 1929 bezeichnete er den Vertrag als „große Geste“, die zeige, „daß endlich einmal mit jenen Zeiten und Gepflogenheiten gebrochen sein soll, in denen nun einmal die preußischen Katholiken als minderen Rechtes angesehen worden sind“. Zugleich beglückwünschte er im Namen seiner Fraktion und der katholischen Wählerschaft „den neuen Staat zu dieser ebenso vornehmen wie klugen Haltung ..., insbesondere dazu, daß er diesen Toleranzgedanken sozusagen an den Anfang seiner Geschichte gestellt“ habe.

Die Berufung auf die politische Toleranz gegenüber den Religionsgemeinschaften war keine leere Phrase, denn das Zentrum hatte seit Jahren die Bereitschaft bekundet, auch einen Vertrag zwischen dem preußischen Staat und den evangelischen Landeskirchen im Parlament zu unterstützen. Dieses Versprechen wurde zwei Jahre später eingelöst, als die Zentrumsfraktion am 13. Juni 1931 mit den Rechtsparteien für den evangeli¬schen Kirchenvertrag stimmte. Außer Braun hatten sich alle Mitglieder der SPD Fraktion der Stimme enthalten, während – wie der mit Heß befreundete Abgeordnete Professor Grebe am 19. Juni 1931 in der „Kölnischen Volkszeitung“ schrieb – „nur das Zentrum für wahre Parität und Gleichberechtigung eingetreten war.“

Seit dem Abschluß des Preußenkonkordats schienen die Tage des Bündnisses zwischen Sozialdemokratie und Zentrum gezählt. Die Gemeinsamkeiten hatten sich in bedrohlicher Weise auf das gemeinsame personalpolitische Interesse reduziert. Nach Bildung der Großen Koalition im Reich unter Hermann Müller, die seit Ende Juni 1928 regierte, wurde auch in Preußen diese Kombination aktuell, obwohl das Kabinett Braun seit den Landtagswahlen vom 20. Mai 1928 wieder über eine klare Mehrheit der Weimarer Parteien verfügte. Heß hatte vor Abschluß des Konkordats nur mit Mühe dem Druck der eigenen Reichstagsfraktion auf Umbildung der preußischen Regierung widerstanden. Diesen Kurs vermochte er leich¬ter durchzuhalten, nachdem die DVP Fraktion dann gegen das Konkordat gestimmt hatte.

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