Unitas Sugambria Osnabrück
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II

Die mittlere Linie sah Heß als die eigentliche Grenze des Einflusses des politischen Katholizismus an. Sie bedeutete die Vorherrschaft des Libera¬lismus durch Neutralisierung aller anderen politischen Kräfte von den Sozialisten bis zu den Konservativen und Kampf um die Schlüsselstellung zwischen den Parteien, der für das Zentrum in der Kulturpolitik vor dem Ersten Weltkrieg fast schon verloren war. Nach der Staatsumwälzung wurde das politische Spiel gleichsam neu eröffnet. Die Frage liegt nahe, ob der entschiedene Verteidiger der Weimarer Republik erst 1919 der Monarchie abgeschworen hat oder vorher schon – möglicherweise aus einer anti¬preußischen Haltung – mit der Republik sympathisierte.

In seiner Gegenschrift zu dem im Jahre 1914 erschienenen Buch von Martin Spahn, „Deutsche Lebensfragen“, brach Heß als Zentrumspolitiker jedenfalls noch vor Ausbruch des Krieges eine Lanze für die Republik: „Ein grundsätzliches Werturteil zwischen Demokratie und Monarchie zu Gun¬sten der letzteren ist begründeten Bedenken ausgesetzt und umgekehrt. Im übrigen berühre ich mich mit Spahn sehr eng insofern, als mir die Mon¬archie lieber ist, trotzdem ich »demokratischer« Westdeutscher bin ... Da¬mit würde ich aber nicht behaupten wollen, ich hielte die Republik für eine innerlich minderwertigere, weil ungesundere Staatsform.“ Hier klangen bereits alle wesentlichen Anliegen und Wertungen an, die Heß' spätere Politik bestimmten. Außer den rechtsgerichteten Bestrebungen Spahns unterzog er damals die Imparität gegenüber den preußischen Katholiken unter der Hohenzollernmonarchie einer herben Kritik.

Die Einführung der Republik bedeutete für Heß keinen Anlaß zu grundlegender Neubesinnung. Seine Stellungnahme auf dem Rheinischen Zentrumsparteitag in Köln im September 1919 verriet jedenfalls nichts von der Unsicherheit, in der viele seiner Glaubensgenossen und Parteifreunde der neuen Staatsform gegenüberstanden. „Man mag zum parlamentarischen System stehen wie man will, man mag es gut finden, oder man mag es tadeln; zweierlei ist sicher für die neue Zeit: Erstens ist es da, und wir müssen es mitmachen, und zweitens hat im parlamentarischen System nur derjenige Einfluß, der auch dabei ist, und da bin ich der Meinung, wenn einer in Deutschland mit dabei sein muß, dann ist es die christlich demokratische Volkspartei, das Zentrum.“

Als Mitglied der Preußischen Landesversammlung unterstützte Heß nachdrücklich den Kurs des hochbetagten Parteiführers Felix Porsch, der die im Reich seit dem 13. Februar 1919 bestehende Weimarer Koalition gegen Widerstände in den eigenen Reihen auch in Preußen befürwortete. Heß gehörte auch dem Kreistag in Ahrweiler und dem Rheinischen Provinziallandtag an. Die Weimarer Koalition in Preußen unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Paul Hirsch wurde am 25. März 1919 gebildet. Das Zentrum war ebenso wie die Deutsche Demokratische Partei (DDP) in ihr mit zwei Ressortchefs vertreten: Hugo am Zehnhoff wurde Justizminister und Adam Stegerwald übernahm das neugeschaffene Ministerium für Volkswohlfahrt. Porsch hatte mit Rücksicht auf die gespannte Lage in der Fraktion darauf verzichtet, in das Kabinett einzutreten.

Auch später lag das politische Schwergewicht der preußischen Zentrumspartei nicht bei ihrem „Ministerflügel“, sondern bei der Fraktionsspitze, an der Porsch nominell bis 1930 stand, während Heß in seinem Schatten schon lange den Kurs der Partei maßgeblich bestimmt hatte. Bei den Sozialdemokraten entwickelten sich die Dinge anders. Die überragende Gestalt Otto Brauns, der seit 1920 fast ununterbrochen Regierungschef war, ließ der sozialdemokrati¬schen Landtagsfraktion, die seit 1924 von dem durchaus eigenwilligen Ernst Heilmann geführt wurde, weit weniger politische Bewegungsfreiheit, als sie Heß vor allem in den Jahren nach 1925 in personalpolitischen Fragen gegenüber der Regierung beanspruchte.

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