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VI
Am 30. Januar 1932 hatte Heß in seinem letzten Brief an die Fraktion. „den guten alten Zentrumsgeist“ beschworen, „der der preußischen Zentrums¬partei in Fleisch und Blut übergegangen“ sei. Das Ziel unserer Preußenpolitik wie aller Zentrumspolitik muß absolute politische Unabhängigkeit nach allen Seiten sein und bleiben.“ Dieses Konzept war jedoch allzu sehr auf seinen Urheber zugeschnitten, so daß sein Tod eine folgenschwere Wende in der preußischen Politik einleitete. Der aufreibende Kampf des Parlamentariers um die Rettung des republikanischen preußischen Staates hatte seine Gesundheit unheilbar zerrüttet. Eine Knochentuberkulose machte die Amputation eines Beines erforderlich, ohne ihn jedoch wieder genesen zu lassen.
Franz v. Papen schrieb am 16. Februar 1932 in einem Brief an den Landtagsabgeordneten Franz Graf v. Galen, Heß' Tod habe in Preußen „vieles leichter gemacht, was in den zurückliegenden Jahren geradezu unerträglich war“. Zwei Tage zuvor hatte der sozialdemokratische Fraktionsführer Heilmann in einem Artikel die Ansicht vertreten, daß auf der „unbestrittenen Führerschaft“ von Joseph Heß in der preußischen Zentrumspartei wesentlich der „feste Zusammenhalt und die glatte Arbeit der Koalition“ beruht hätten: „Da konnte man mit festen Standpunkten rechnen und danach seine Gegenrechnung aufstellen. Die Bedeutung von Dr. Joseph Heß für die deutsche und preußische Politik der letzten zehn Jahre kann kaum überschätzt werden.“ Beide Urteile, stimmen bei aller Gegensätz¬lichkeit der Wertung in der Ansicht über Heß' politische Bedeutung und die Folgewirkungen, die sein Tod verursachte, überein.
Am 20. Juli 1932 setzte Reichskanzler v. Papen mit einer Notverordnung Hindenburgs die geschäftsführende Regierung Braun ab, ohne auf aktive Gegenwehr der verantwortlichen preußischen Politiker zu stoßen. Die Re¬gierung und die Fraktionen von SPD und Zentrum erhoben Klage vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig. Da die maßgebenden Führer der Zentrums¬fraktion im Landtag, Prälat Albert Lauscher und Fritz Graß, glaubten, die Krise durch Kontakte und Verhandlungen mit den Nationalsozialisten überwinden zu können, kam es zu Spannungen zwischen den alten Koali¬tionsparteien. Am 21. September 1932 prangerte Heilmann die Haltung des Zentrums nach dem „Preußenschlag“ v. Papens im Landtag öffentlich an, indem er sich auf Heß' politisches Testament berief. Die Zentrums¬fraktion habe sich seit seinem Tode von ihrer Vergangenheit und ihren alten Grundsätzen gelöst.
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